10 Tipps für Ihre psychische Gesundheit

Von Dr. Michael Bender

Fast jeder Mensch durchlebt einmal in seinem Leben eine Depression schreibt der nationale Gesundheitsdienst in England. Weltweit steigt die Inzidenz psychischer Erkrankungen.

Dabei kann man psychische Gesundheit ganz wesentlich auch selbst beeinflussen und das scheint wichtiger denn je – wir brauchen Techniken, die uns im Bedarfsfall zuverlässig helfen und ein gutes Rüstzeug, um die Entstehung einer psychischen Erkrankung möglichst zu vermeiden.

 

1) Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl

Sie leisten jeden Tag Großartiges! Alles, was Sie jeden Tag für sich und andere tun, verdient großen Respekt. Nur all zu oft sind wir uns am Ende des Tages dessen nicht mehr bewusst, vergessen unsere Verdienste und sehen ausschließlich, was man noch alles hätte mehr leisten und erledigen können.

Tipp: Machen Sie sich all die kleinen und großen Dinge, auf die Sie ruhig stolz sein dürfen am Ende des Tages noch einmal bewusst! Führen Sie ein „Stolz-Tagebuch“, in dem Sie jeden Abend aufschreiben, wofür Sie sich auf die Schulter klopfen können. Sie werden verblüfft sein, mit welch positiven Gefühlen Sie den Tag beenden können. Die hierbei aufgebauten Gefühle von Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit sind starke Säulen Ihrer psychischen Gesundheit.

 

2) Wie Sie beginnen, sich selbst zu lieben

„Seien Sie nett zu sich“ sage ich meinen Patienten immer. Dazu gehört auch, sich um sich selbst zu kümmern und die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Unser Körper weist uns sehr direkt darauf hin, wenn er sich irgendwo mehr Aufmerksamkeit wünscht. Eine bewährte Methode ist hierbei der Body-Scan, mit dem wir uns in Form einer geführten Meditation jedem Teil unseres Körpers zuwenden. Regelmäßig angewendet kann der Body-Scan zu einer besseren Selbstakzeptanz und einer tiefen Entspannung führen.

Tipp: Den Body-Scan gibt es als MP3 bei der TK zum Body-Scan zum Download.

 

3) Wie Bewegung Ihnen zu einer stärkeren psychischen Gesundheit verhelfen kann

Bewegung ist gesund! Dafür braucht es eigentlich keine wissenschaftlichen Studien. Erinnern wir uns an einen ausgedehnten Spaziergang in der Natur. Erinnern Sie sich an die Leichtigkeit, die Sie beim Gehen im Körper spüren, an die mit Sauerstoff gefüllten Lungen und die Ausgeglichenheit, die Sie danach empfunden haben? Bewegung steigert unsere Konzentration, verbessert das Immunsystem und fördert die Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin. Mit ein paar einfachen Tricks fällt es uns besonders leicht, Bewegung in unseren Alltag zu integrieren: Erklären Sie den Aufzug für tabu und nutzen wann immer möglich die Treppe! Haben Sie eine Bürotätigkeit? Dann sollten Sie mindestens einmal die Stunde kurz umher gehen, um ihre Kreativität und Produktivität hierdurch zu erhöhen – am Anfang hilft dabei ein Timer. Legen Sie das letzte Stück zur Arbeit zu Fuß zurück, indem Sie eine Station vorher aussteigen oder das Auto etwas abseits parken. Sie werden sehen, Sie kommen glücklicher auf der Arbeit an.

 

4) Ernährungstipps, die Sie vor Ihrem nächsten Arbeitstag kennen sollten

Fast alles, was wir über die Nahrung aufnehmen, verwandelt unser Körper direkt in Energie und Energiereserven. Was wir unserem Körper als Energielieferant zur Verfügung stellen, entscheidet ganz wesentlich darüber, wie wir uns anschließend fühlen: Entweder wie nach einem ausgewogenen Frühstück kraftvoll und fit oder nach einer großen Portion Currywurst-Pommes müde und antriebslos. Der einfachste Weg, eine gesunde Ernährung in den Alltag zu integrieren, ist es, stets eine gesunde Alternative verfügbar zu haben.

Denn häufig sind wir so bequem, einfach das zu nehmen, was griffbereit ist: Geht Ihr erster Griff morgens zum Nutella-Glas? Dann schieben Sie das Glas im Schrank nach hinten und stellen ein paar sättigende Bananen und vitaminreiche Äpfel davor. Greifen Sie auf der Arbeit gerne in die Süßigkeitenschublade der Abteilung? Dann fügen Sie der Schublade einen Teller mit Trauben hinzu, Ihre Kollegen werden Sie dafür schätzen. In der Kantine will man Ihren Teller randvoll mit Nudeln und Extra-Viel-Soße füllen? Seien Sie schneller und haben den Teller schon vorher über die Hälfte mit einem mitgebrachten Salat gefüllt! Den verbleibenden Platz darf der Kantinenmitarbeiter dann gerne mit Gemüse auffüllen. Sie werden sehen, mit wie viel mehr Energie und Leichtigkeit Sie an die Arbeit zurück gehen. Kurzum: Stellen Sie beim Griff zum Ungesunden immer etwas Gesundes in den Weg! Der Einfluss von Ernährung auf unsere psychische Gesundheit ist in dem Artikel “Iss dich glücklich” übrigens schön beschrieben.

 

5) Entspannung kann man lernen

Sie möchten im Alltag Ruhe finden und gelassener werden? Ruhe und Gelassenheit sind zwei starke Partner, wenn Ihr Kopf grübelt und Ihre Gedanken kreisen. Hierbei erleben zahlreiche Techniken aus den Bereichen MBSR, Yoga und Meditation einen regelrechten Boom und auch auf Altbewährtes wie Autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung können Sie zurückgreifen und diese Fertigkeiten im Einzelcoaching erlernen. Wichtig ist vor allem: Keep it simple! Denn die ausgefeilteste Technik hilft nicht, wenn wir sie nicht anwenden. Gute Erfahrung machen meine Patienten mit der Lippenbremse, die sich auch bei Lungenerkrankungen bewährt hat. Tipp: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem und zählen jedes Ausatmen – bis zehn. Atmen Sie dabei gegen die aufeinander gedrückten Lippen aus, die Backen dürfen sich beim Ausatmen ruhig aufblähen. Sie werden verblüfft sein, wie Sie in nur einer halben Minute tiefe Entspannung erfahren können.

 

6) Das Wundermittel: Wasser für einen klaren Kopf und psychische Gesundheit

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr lässt Sie nicht nur attraktiver aussehen, wie Sie in jedem Beauty-Blog lesen können. Flüssigkeit ist überlebenswichtig, bereits wenige Tagen ohne Flüssigkeit sind mit dem Leben nicht vereinbar. Und irgendwo zwischen Schönheitsideal und Überleben liegt die eigentliche Botschaft: Trinken Sie täglich rund 2 Liter! (Sofern Ihr Arzt Ihnen aufgrund einer Herz- oder Nierenerkrankung nichts Anderes empfiehlt). Eine ausreichende Trinkmenge (am besten Wasser) hilft, Giftstoffe aus dem Körper auszuscheiden und unterstützt eine geistige Klarheit, bessere Konzentration und körperliche Gesundheit.

 

7) Wie erholsamer Schlaf die Welt zu einem besseren Ort machen kann

Einen erholsamen Schlaf brauchen wir nicht nur für unser Wohlbefinden und eine gute Gedächtnisleistung. Schlafstörungen sind nachweislich an der Entstehung und Verschlechterung zahlreicher körperlicher und psychischer Erkrankungen beteiligt, so z.B. Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, depressive Verstimmungen und Denkstörungen. Und ein übellauniger Zeitgenosse mit Kopfschmerzen ist nicht der angenehmste Mitmensch. Hier finden Sie Tipps zum besseren Schlaf – erzählen Sie diese ruhig weiter, so machen Sie die Welt tatsächlich zu einem besseren Ort.

 

8) Schaffen Sie Orte der Geborgenheit

In einer Welt der ständigen Verfügbarkeit und digitalen Erreichbarkeit fehlen uns zunehmend Orte des Rückzugs, Orte an denen wir uns eine Auszeit gönnen und Geborgenheit erfahren können. Gehen Sie einmal gedanklich an einen Ort der Sicherheit in Ihrer Kindheit zurück. Das kann das Versteck unter der Bettdecke mit Taschenlampe sein, eine selbstgebaute Höhle oder ein Ort in der Natur. Vielleicht schließen Sie einen Moment die Augen und stellen sich die Szene mit all ihren Farben und positiven Gefühlen noch einmal vor. Und nun erschaffen Sie einen solchen Ort im Hier und Jetzt: Ein Ort, an dem elektronische Geräte und jeglicher Input wie Zeitschriften etc. tabu sind. Ein Ort, an den Sie sich zurückziehen, um Geborgenheit und Schutz zu erfahren. Besonders kraftvoll sind Orte in der Natur, an denen Sie vielleicht sogar ein Feuer entzünden können.

 

9) Sinnfindung in 3 klaren Schritten

Psychische Belastungen und die Frage nach dem Sinn des Lebens liegen häufig nah beieinander. So kann ein Sinnverlust im Leben geradewegs in eine psychische Krise führen. Einen Sinn im Alltäglichen zu sehen, schützt uns nicht nur vor Gefühlen der Verzweiflung, sondern kann auch nach schwerer Enttäuschung und Leid dem Leben wieder eine Richtung geben. Im naturtherapeutischen Kontext von Wildnis-Medizin® gliedert sich Sinnfindung häufig in 3 Phasen:

Zunächst lösen wir uns in einer ersten Phase von hinderlichen Gedankenmustern und von Dingen, die uns belasten. Sinnsuche gestaltet sich nämlich am Sinnvollsten, wenn wir sie unbelastet und unvoreingenommen angehen. Hierfür bietet sich in der zweiten Phase eine Auszeit in der Natur an, in die wir uns mit einer vorher klar gestellten Frage (z.B. „Was sind die für mich zentralen Werte im Leben?“) begeben. In einer dritten Phase gilt es, einen praktischen Handlungsplan für eine Integration in den Alltag zu schmieden.

Sie ahnen es schon, diese drei Schritte durchläuft man nicht an einem Nachmittag. Hierfür empfehle ich Ihnen auf jeden Fall eine gut geplante Auszeit, eine gute Vorbereitung und eine kompetente Begleitung. Hierfür stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

 

10) Warum Sozial-Kontakte Ihr Leben verändern

Die älteste von Forschern entzifferte menschliche DNA ist gut 400.000 Jahr alt. Und ob Sie es glauben oder nicht: Sie hat sich in all der Zeit nicht grundlegend verändert. Damals war die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, in der wir Schutz erfahren konnten, überlebenswichtig. Freundschaft und Vertrauen in einer Gruppe zu erleben, ist demnach einer der stärksten stabilisierenden Faktoren für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.Tipp: Pflegen Sie daher Ihre Kontakte! Hierbei kann es hilfreich sein, zunächst eine Mindmap zu erstellen: Alte Schulfreunde, nette Arbeitskollegen, die letzten Kontakte aus Ihrer Telefonliste, die nächsten Geburtstage, Nachbarn. Rufen Sie dann den Menschen an, dessen Situation Sie wirklich interessiert und vereinbaren ein Treffen!